YouTube-Kanal aufbauen: Strategie für Online-Unternehmer
Es gibt tausende Anleitungen, die dir erklären, wo du in YouTube Studio klicken musst, um einen Kanal zu erstellen. Das hier ist keine davon.
Einen YouTube-Kanal aufbauen bedeutet für Online-Unternehmer etwas komplett anderes als für jemanden, der Vlogs oder Gaming-Content macht. Du brauchst keine Million Abonnenten. Du brauchst ein System, das aus Zuschauern Interessenten und aus Interessenten Kunden macht. YouTube ist dabei kein Selbstzweck, sondern ein Traffic-Kanal – der mächtigste, den du als Solopreneur kostenlos nutzen kannst.
Ich nutze YouTube als zweiten Standbein neben dem Blog in meiner Content-to-Commerce-Strategie: Videos bringen Reichweite, der Blog fängt die Suchintention auf, die E-Mail-Liste konvertiert. Das Zusammenspiel ist entscheidend, nicht der einzelne Kanal. Und genau diese strategische Perspektive fehlt in den meisten YouTube-Ratgebern – die schreiben für Creator, nicht für Unternehmer.
In diesem Guide zeige ich dir, wie du YouTube als planbaren Traffic-Kanal für dein Online-Business aufbaust. Keine Theorie aus Marketing-Lehrbüchern, sondern das, was ich aus eigener Erfahrung mit Video-Content gelernt habe – inklusive der Fehler, die mich Monate gekostet haben.
Was bringt ein YouTube-Kanal für Online-Unternehmer wirklich?
Ein YouTube-Kanal bringt Online-Unternehmern planbaren, kostenlosen und langfristigen Traffic – mit einer Halbwertszeit, die kein anderer Kanal bieten kann. Während ein Instagram-Post nach 48 Stunden tot ist, generieren YouTube-Videos über Monate und Jahre hinweg Aufrufe, weil sie über die Suche gefunden werden.
YouTube ist die zweitgrößte Suchmaschine der Welt. Über 2,7 Milliarden monatlich aktive Nutzer suchen dort nach Lösungen, Anleitungen und Empfehlungen. Für dich als Online-Unternehmer heißt das: Deine Zielgruppe ist da. Sie sucht aktiv nach dem, was du anbietest. Du musst sie nicht mit Ads unterbrechen – du musst nur die Antwort auf ihre Fragen liefern.
Drei Gründe, warum YouTube als Traffic-Kanal für Business-Kanäle so stark ist:
YouTube gehört zu Google. Deine Videos tauchen nicht nur in der YouTube-Suche auf, sondern auch in den Google-Suchergebnissen. Ein gut optimiertes Video kann für dasselbe Keyword ranken wie dein Blog-Artikel – und dir doppelte Sichtbarkeit verschaffen. Ich setze deshalb bewusst auf eine Dual-Channel-Strategie: Blog-SEO für Google, Video-SEO für YouTube. Beide Kanäle verstärken sich gegenseitig.
Video baut Vertrauen schneller auf als Text. Wenn jemand dein Gesicht sieht, deine Stimme hört und merkt, dass du weißt, wovon du redest, entsteht eine Verbindung, die kein Blog-Artikel in der gleichen Zeit schafft. Für den Verkauf digitaler Produkte ist das Gold wert. Die Hemmschwelle, von jemandem zu kaufen, den man "kennt", ist deutlich niedriger.
YouTube-Content ist ein Asset, kein Aufwand. Jedes Video, das du heute hochlädst, arbeitet morgen für dich. Ein Tutorial, das eine echte Frage beantwortet, wird in zwei Jahren immer noch Traffic generieren. Das unterscheidet YouTube fundamental von Social Media, wo du ständig nachlegen musst, um sichtbar zu bleiben. Als Unternehmer denke ich in Assets – und YouTube-Videos sind eines der besten digitalen Assets, die du aufbauen kannst.
Kleiner Hinweis: Das heißt nicht, dass YouTube einfach ist. Die Produktion kostet Zeit, die Lernkurve ist steil, und die ersten Monate fühlen sich oft an wie Schreien ins Leere. Aber im Vergleich zu bezahlter Werbung, wo der Traffic sofort stoppt, sobald du das Budget drehst, ist YouTube eine Investition, die sich akkumuliert.
Wie funktioniert der YouTube-Algorithmus – und warum ist das für deine Strategie entscheidend?
Der YouTube-Algorithmus entscheidet, welche Videos Nutzern vorgeschlagen werden, und basiert im Kern auf zwei Prinzipien: Er will Nutzer möglichst lange auf der Plattform halten, und er will jedem Nutzer die relevantesten Inhalte zeigen. Wer das versteht, kann seine Content-Strategie darauf ausrichten – statt gegen den Algorithmus zu arbeiten.
Die meisten Mythen über den Algorithmus sind entweder veraltet oder waren nie richtig. Tags sind fast irrelevant. Upload-Frequenz ist kein direkter Ranking-Faktor. Und die magische "beste Uhrzeit zum Hochladen" gibt es so pauschal nicht. Was wirklich zählt, sind drei Metriken.
Click-Through-Rate (CTR): Wie viel Prozent der Leute, denen dein Video angezeigt wird, klicken tatsächlich drauf? Das ist eine Funktion von Thumbnail und Titel. Wenn dein Thumbnail langweilig ist und dein Titel generisch, wird dein Video nicht geklickt – egal wie gut der Inhalt ist. YouTube zeigt es dann weniger Leuten, weil es schlussfolgert: Scheint niemanden zu interessieren.
Watch Time und Retention: Wie lange schauen die Leute dein Video? Und an welcher Stelle springen sie ab? YouTube bevorzugt Videos, die Zuschauer bis zum Ende halten. Ein 10-Minuten-Video mit 60% Average View Duration schlägt ein 30-Minuten-Video mit 20% Retention. Für Business-Kanäle heißt das: Komm schnell zum Punkt, liefere Substanz, und schneide alles raus, was keinen Mehrwert bringt.
Engagement: Likes, Kommentare, Shares – alles Signale, die YouTube zeigen: Dieses Video löst Reaktionen aus. Besonders Kommentare und Shares wiegen schwer. Eine einfache Methode, mehr Kommentare zu bekommen: Stelle am Ende des Videos eine konkrete Frage, die zum Antworten einlädt. Nicht "Was denkt ihr?" sondern "Welchen der drei Ansätze testet ihr als Erstes?"
Was das für Business-Kanäle konkret bedeutet: Du musst keine viralen Videos produzieren. Du musst Videos produzieren, die ein spezifisches Problem so gut lösen, dass die Leute dranbleiben und interagieren. Ein Tutorial mit 5.000 Views und 65% Retention ist für den Algorithmus wertvoller als ein Trend-Video mit 50.000 Views und 15% Retention. Und es bringt dir als Unternehmer die besseren Leads.
Welche Content-Strategie funktioniert auf YouTube für Business-Kanäle?
Die beste Content-Strategie für Business-Kanäle auf YouTube basiert auf drei Content-Typen: Search-Content, der über die YouTube-Suche gefunden wird, Suggested-Content, der in Empfehlungen auftaucht, und Community-Content, der deine bestehende Zielgruppe bindet.
Google hat dafür mal das Help-Hub-Hero-Framework geprägt. Ich finde die Begriffe etwas sperrig, aber die Logik dahinter ist solide:
Search-Content (Help): Videos, die eine konkrete Frage beantworten. "Wie erstelle ich einen Sales Funnel", "Newsletter-Tool Vergleich 2026", "Content-Planung für Solopreneure". Das ist dein Brot-und-Butter-Content. Diese Videos ranken in der YouTube-Suche und bringen dir konstanten, planbaren Traffic. Für Online-Unternehmer sollte 60-70% des Contents in diese Kategorie fallen.
Suggested-Content (Hub): Serien, wiederkehrende Formate, Playlists. Das sind Videos, die YouTube anderen Zuschauern empfiehlt, die bereits ein Video von dir geschaut haben. Das Ziel: Aus einem einmaligen Zuschauer einen regelmäßigen Viewer machen. Ein Beispiel wäre eine wöchentliche Serie wie "Tool der Woche" oder "Business-Fehler, die ich gemacht habe".
Discovery-Content (Hero): Trend-Themen, Meinungsvideos, Reaktionen auf aktuelle Entwicklungen. Diese Videos haben das Potenzial für überdurchschnittliche Reichweite, sind aber weniger planbar. Hier kann ein Video über ein aktuelles Google-Update oder eine neue KI-Funktion plötzlich 10x mehr Views bekommen als dein Durchschnitt. Ich plane maximal 20% meines Contents für diese Kategorie ein – als Bonus, nicht als Basis.
Der häufigste Fehler, den ich bei Business-Kanälen sehe: Sie produzieren nur Discovery-Content, weil der mehr Views verspricht. Das Problem ist, dass du damit keine stabile Traffic-Basis aufbaust. Wenn das nächste Trend-Thema kommt und du nichts dazu hast, bricht dein Traffic ein. Search-Content dagegen liefert auch in sechs Monaten noch Views.
Mein Ansatz: Ich definiere drei bis fünf Content-Säulen, die zu meinen Business-Themen passen. Jede Säule wird als Playlist angelegt. Und für jede Säule recherchiere ich Keywords, die meine Zielgruppe tatsächlich bei YouTube sucht. Daraus entsteht ein Redaktionsplan, der nicht auf Inspiration basiert, sondern auf Nachfrage. Das Ganze läuft parallel zu meiner Content-Marketing-Strategie – die Prinzipien sind identisch, nur das Format ist anders.
Wie optimierst du deine Videos für YouTube-Suche und Google?
YouTube-SEO ist die Optimierung deiner Videos für die Suchfunktion von YouTube und Google, damit sie bei relevanten Suchanfragen möglichst weit oben erscheinen. Die Grundlogik ist dieselbe wie bei Blog-SEO: Du identifizierst Keywords, die deine Zielgruppe sucht, und baust dein Video so auf, dass YouTube versteht, worum es geht.
Die wichtigsten Hebel, sortiert nach Impact:
Titel: Dein Primärkeyword gehört in den Titel, möglichst weit vorne. Aber – und das unterscheidet YouTube von Blog-SEO – dein Titel muss gleichzeitig neugierig machen. "YouTube SEO: 5 Tipps für mehr Reichweite" ist optimiert, aber langweilig. "Warum deine Videos niemand findet (und wie du das änderst)" triggert Neugier UND enthält den Suchbegriff implizit. Die Kunst ist die Balance.
Thumbnail: Kein SEO-Faktor im klassischen Sinn, aber der wichtigste Faktor für deine CTR – und CTR beeinflusst dein Ranking massiv. Ein gutes Thumbnail hat drei Eigenschaften: Es ist auch in klein lesbar (denk an Mobile), es erzeugt eine emotionale Reaktion, und es ergänzt den Titel statt ihn zu wiederholen. Ich habe lange den Fehler gemacht, Text aus dem Titel 1:1 ins Thumbnail zu packen. Das verschenkt Fläche. Besser: Titel sagt das "Was", Thumbnail zeigt das "Warum es dich interessieren sollte".
Beschreibung: Die ersten zwei Zeilen sind entscheidend – sie werden in der Suche angezeigt, bevor jemand klickt. Keyword rein, Nutzenversprechen rein, fertig. Der Rest der Beschreibung (du hast 5.000 Zeichen) ist Platz für weiterführende Links, Timestamps und zusätzliche Keywords. Timestamps sind übrigens Gold: YouTube nutzt sie, um einzelne Kapitel in den Suchergebnissen anzuzeigen – das erhöht deine Sichtbarkeit enorm.
Spoken Keywords: YouTube transkribiert dein Video automatisch. Wenn du dein Keyword in den ersten 30 Sekunden aussprichst, erkennt YouTube das Thema schneller und ordnet dein Video besser ein. Das klingt nach einem kleinen Detail, macht aber einen messbaren Unterschied. Sag am Anfang klar, worum es geht: "Heute zeige ich dir, wie du deinen YouTube-Kanal als Traffic-Quelle für dein Online-Business aufbaust."
Was ich inzwischen anders mache als am Anfang: Ich optimiere nicht mehr nur für YouTube-Suche, sondern auch dafür, dass meine Videos von KI-Suchmaschinen wie ChatGPT Search oder Perplexity zitiert werden. Das bedeutet: Klare Definitionen in den ersten Sätzen, benannte Frameworks, und Aussagen, die als eigenständige Antwort funktionieren. Die Prinzipien dahinter habe ich in meinem Artikel über AEO und KI-Zitierungen ausführlich beschrieben – die gelten für Video genauso wie für Text.
Wie nutzt du YouTube Shorts und Reels für mehr Reichweite?
YouTube Shorts sind vertikale Kurzvideos bis 60 Sekunden, die YouTube als Discovery-Format nutzt, um neue Zuschauer auf deinen Kanal zu bringen. Für Online-Unternehmer sind Shorts kein Ersatz für Long-Form-Content, sondern ein Reichweiten-Beschleuniger, der die Tür öffnet.
Die Logik dahinter: Long-Form-Videos bauen Vertrauen auf und konvertieren. Shorts generieren Aufmerksamkeit und neue Abonnenten. Beides zusammen ist stärker als jedes Format für sich allein.
Was bei Business-Shorts funktioniert: Konzentriere dich auf einen einzigen Gedanken pro Short. Nicht drei Tipps, nicht eine Zusammenfassung, sondern ein konkreter Punkt, der in 30-45 Sekunden sitzt. "Der eine Fehler, der mir bei meiner Content-Strategie am meisten geschadet hat" ist besser als "5 Content-Tipps in 60 Sekunden". Weniger ist hier mehr.
Ein Workflow, den ich für effizient halte: Produziere dein Long-Form-Video und identifiziere danach die ein oder zwei stärksten Aussagen oder Momente. Die schneidest du als Shorts – vertikales Format, Untertitel drauf, fertig. Das ist Content Repurposing in seiner effizientesten Form. Du produzierst keinen zusätzlichen Content, du extrahierst den besten Moment aus bereits vorhandenem Content.
Pass auf: Shorts bringen Views, aber die Conversion zu Abonnenten und Kunden ist deutlich niedriger als bei Long-Form. Ich habe Shorts gesehen, die 50.000 Views hatten und trotzdem nur 20 neue Abonnenten gebracht haben. Das ist normal. Shorts sind ein Top-of-Funnel-Format. Der eigentliche Wert entsteht, wenn ein Short-Zuschauer danach dein Long-Form-Video schaut, weil er neugierig geworden ist. Deshalb: In jedem Short einen Verweis auf das zugehörige ausführliche Video einbauen. Nicht als plumpen CTA, sondern als natürlichen Hinweis: "Das vollständige Framework zeige ich im langen Video – Link in der Beschreibung."
Shorts funktionieren auch als Test-Format. Bevor du ein aufwändiges 15-Minuten-Tutorial produzierst, teste die Kernidee als Short. Wenn der Short gut performed, weißt du: Das Thema interessiert deine Zielgruppe. Wenn nicht, hast du 30 Minuten statt drei Stunden Produktionszeit investiert.
Wie wird YouTube zur Traffic-Quelle für deine digitalen Produkte?
YouTube wird zur Traffic-Quelle für digitale Produkte, wenn du den Kanal nicht als Unterhaltungsplattform behandelst, sondern als ersten Schritt in einem Funnel. Der Weg läuft: Video → Vertrauen aufbauen → Lead-Magnet anbieten → E-Mail-Liste → Produkt verkaufen. Wer auf YouTube direkt verkaufen will, überspringt die wichtigste Stufe – den Vertrauensaufbau.
Das Content-to-Commerce-Modell, das ich für mein Business nutze, sieht so aus: Meine YouTube-Videos sind die Einstiegspunkte. Sie lösen ein konkretes Problem und positionieren mich als jemanden, der weiß, wovon er redet. Am Ende jedes Videos verweise ich auf einen kostenlosen Lead-Magneten – ein E-Book, ein Workbook, eine Checkliste – der das Thema vertieft. Wer den Lead-Magneten herunterlädt, kommt auf meine E-Mail-Liste. Und über die E-Mail-Sequenz stelle ich dann meine digitalen Produkte vor.
Klingt simpel. Ist es im Prinzip auch. Aber die Umsetzung hat Nuancen.
Die wichtigste: Dein CTA im Video muss sich natürlich anfühlen. "Und jetzt kauf mein Produkt!" am Ende eines Tutorials ist der sicherste Weg, Zuschauer zu verlieren. Besser: Du erwähnst im Laufe des Videos beiläufig, dass du zu dem Thema ein kostenloses Workbook hast. "Falls du das Schritt für Schritt durcharbeiten willst – ich hab ein Workbook zusammengestellt, das genau diesen Prozess abbildet. Link in der Beschreibung." Das fühlt sich an wie ein Mehrwert-Angebot, nicht wie Werbung.
Zweite Nuance: Nicht jedes Video braucht einen Produkt-CTA. Manche Videos sind reine Awareness-Stücke. Sie bauen Vertrauen auf, zeigen deine Expertise, und der einzige CTA ist "Abonnier den Kanal". Das ist okay. Nicht jeder Touchpoint muss direkt konvertieren. Manche Videos arbeiten für dich, indem sie Leute in dein Ökosystem bringen – der Verkauf passiert später.
Dritte Nuance: Die Video-Beschreibung ist deine Landingpage. Dort gehören Links zu deinem Lead-Magneten, zu deinem Shop und zu verwandten Videos hin. Ich strukturiere meine Beschreibungen immer gleich: Zusammenfassung in zwei Sätzen, Link zum Lead-Magneten, Timestamps, weiterführende Links. Konsistenz ist wichtig – Zuschauer lernen, wo sie was finden.
Für meine eigene Content-to-Commerce-Strategie hat sich gezeigt: Die Videos, die am besten konvertieren, sind nicht die mit den meisten Views. Es sind die, die ein sehr spezifisches Problem lösen und am Ende einen Lead-Magneten anbieten, der genau dieses Problem weiterführt. Breite Videos bringen Reichweite, spezifische Videos bringen Kunden. Beides hat seinen Platz im Redaktionsplan.
Welches Equipment brauchst du – und was kannst du dir sparen?
Das Minimum-Setup für einen professionellen YouTube-Kanal besteht aus einem aktuellen Smartphone, einem Ansteckmikrofon für unter 30 Euro und einer Lichtquelle – notfalls das Fenster. Alles darüber ist nice-to-have, aber kein Grund, den Start zu verzögern.
Ich sage das bewusst so direkt, weil Equipment-Recherche einer der größten Prokrastinations-Fallen für angehende YouTube-Unternehmer ist. "Ich brauche erst noch eine bessere Kamera" ist die Business-Version von "Ich fange Montag mit dem Sport an". Der Content ist wichtiger als die Kamera. Punkt.
Trotzdem: Audio ist nicht verhandelbar. Schlechtes Bild verzeihen Zuschauer. Schlechten Ton nicht. Ein 25-Euro-Ansteckmikrofon macht mehr Unterschied als eine 800-Euro-Kamera. Das war mein erster teurer Learning-Moment: Ich habe am Anfang viel zu viel in Videotechnik und viel zu wenig in Audiotechnik investiert.
Was die Kamera angeht: Aktuelle Smartphones filmen in 4K und liefern für YouTube mehr als ausreichende Qualität. Wenn du upgraden willst, ist eine spiegellose Kamera mit gutem Autofokus der nächste sinnvolle Schritt. Aber das ist Phase 2, nicht Phase 1.
Licht: Tageslicht vor einem Fenster ist kostenlos und sieht besser aus als die meisten künstlichen Setups. Wenn du unabhängig von Tageszeit filmen willst, reicht ein Ringlicht oder ein einfaches LED-Panel. Investition: 40-80 Euro.
Software: DaVinci Resolve ist kostenlos und kann alles, was du für YouTube-Videos brauchst. Für Shorts und schnelle Schnitte nutze ich CapCut – ebenfalls kostenlos. Die Zeiten, in denen du für Videoschnitt hunderte Euro ausgeben musstest, sind vorbei.
Mein pragmatischer Rat: Starte mit dem, was du hast. Produziere deine ersten fünf Videos. Lerne, was funktioniert und was nicht. Und investiere dann gezielt in das Equipment, das deinen spezifischen Engpass löst. Nicht vorher.
Welche YouTube-Fehler kosten dich am meisten Zeit und Wachstum?
Ich habe in meiner eigenen YouTube-Journey genug Fehler gemacht, um eine ausführliche Liste zu füllen. Hier sind die, die am meisten weh getan haben – weil sie nicht offensichtlich sind.
Kein Keyword-Research vor der Produktion. Die ersten Videos habe ich nach Bauchgefühl produziert. Themen, die ich spannend fand. Problem: Niemand hat danach gesucht. Null Suchvolumen, null organische Views. Seit ich vor jedem Video prüfe, ob es tatsächlich Nachfrage für das Thema gibt, hat sich die Performance grundlegend verändert. Fünf Minuten Keyword-Recherche sparen dir fünf Stunden verschwendete Produktionszeit.
Zu lange Intros. Meine ersten Videos hatten 60-Sekunden-Intros mit Logo-Animation, Begrüßung und Überleitung. Die Retention-Kurve zeigte mir dann: 40% der Zuschauer waren nach 30 Sekunden weg. Jetzt starte ich mit dem Kernversprechen des Videos in den ersten fünf Sekunden. Kein Logo, keine Begrüßung – direkt rein ins Thema. Die Vorstellung kommt danach, wenn der Zuschauer schon investiert ist.
Perfektionismus bei der Produktion. Ich habe Videos drei-, viermal neu aufgenommen, weil mir ein Versprecher aufgefallen ist. Das Ergebnis: Weniger Output, und die "perfekten" Videos haben nicht besser performt als die mit kleinen Fehlern. Zuschauer verzeihen Unperfektion – sie verzeihen nicht, wenn du langweilig bist. Seit ich mir eine "Good enough"-Regel gesetzt habe (maximal zwei Takes pro Szene), produziere ich doppelt so viel Content bei gleicher Qualität.
Keinen CTA eingebaut. Klingt banal, aber in meinen ersten 20 Videos gab es keinen einzigen Hinweis auf meine Website, meine Produkte oder meinen Newsletter. Ich dachte, das wirkt aufdringlich. Das Resultat: Die Videos haben Views gebracht, aber null Business-Impact. YouTube-Zuschauer erwarten CTAs. Wenn du relevanten Mehrwert bietest, ist ein Hinweis auf deinen Lead-Magneten kein Aufdrängen, sondern ein Service.
Nur auf Views optimiert statt auf die richtige Zielgruppe. Ein Video über ein Trend-Thema kann dir 50.000 Views bringen – aber wenn die Zuschauer nicht deine Zielgruppe sind, bringt dir das weder Abonnenten noch Kunden. Ich hatte ein Video, das viral ging und mir tausende Views brachte, aber praktisch null Newsletter-Anmeldungen. Seit dem fokussiere ich mich auf Videos, die weniger Views aber die richtigen Views generieren. 2.000 Views von Online-Unternehmern sind mehr wert als 50.000 Views von Leuten, die zufällig vorbeigeschaut haben.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
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Einmal pro Woche ist der Sweet Spot für die meisten Solopreneure. YouTube belohnt Konsistenz stärker als Frequenz. Ein gutes Video pro Woche schlägt drei mittelmäßige Videos. Wenn einmal pro Woche nicht realistisch ist, starte mit zweimal im Monat und halte den Rhythmus durch. Unregelmäßiges Uploaden schadet mehr als niedrige Frequenz.
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Realistisch: Drei bis sechs Monate, bis du erste konsistente Ergebnisse siehst. Die ersten 30 Videos sind eine Investitionsphase. Danach beginnt der Algorithmus, deinen Kanal besser einzuordnen und deine Videos häufiger vorzuschlagen. Wer nach vier Wochen aufgibt, weil die Views nicht kommen, hat YouTube nicht verstanden. Es ist ein Langzeit-Spiel.
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Nein. Für die Monetarisierung über Werbeanzeigen brauchst du 1.000 Abonnenten und 4.000 Stunden Wiedergabezeit. Aber als Online-Unternehmer verdienst du nicht mit Werbung, sondern mit deinen Produkten. Dafür brauchst du null Abonnenten – du brauchst die richtigen Zuschauer. Ein Kanal mit 500 Abonnenten in der richtigen Nische kann mehr Umsatz generieren als einer mit 50.000 in einer breiten Masse.
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Teilweise. KI-Tools helfen bei der Skripterstellung, der Keyword-Recherche, der Thumbnail-Gestaltung und beim Schnitt. Ich nutze KI intensiv für die Vorproduktion – Themenrecherche, Skript-Entwürfe, Beschreibungstexte. Aber das eigentliche Video – dein Gesicht, deine Stimme, deine Erfahrung – das bleibt menschlich. Ein KI-generiertes Talking-Head-Video wirkt nicht authentisch, und Authentizität ist der stärkste Conversion-Faktor auf YouTube.
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YouTube, wenn du auf langfristigen Traffic setzt. TikTok, wenn du schnelle Reichweite willst. Für Online-Unternehmer mit digitalen Produkten ist YouTube fast immer die bessere Wahl, weil die Inhalte über die Suche gefunden werden und Jahre lang Traffic liefern. TikTok-Videos sind nach drei Tagen praktisch unsichtbar. Mein Ansatz: YouTube als Hauptkanal, Shorts und Reels als Repurposing-Format für zusätzliche Reichweite.
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